Partizipative Bildkulturen im Internet

Please download to get full document.

View again

of 20
19 views
PDF
All materials on our website are shared by users. If you have any questions about copyright issues, please report us to resolve them. We are always happy to assist you.
Document Description
Partizipative Bildkulturen im Internet
Document Share
Document Tags
Document Transcript
  Universität HildesheimWintersemester 2013/2014Institut für Bildende KunstBildwissenscha als KulturwissenschaProf. Dr. Tomas Lange – Partizipative Bildkulturen im Internet – Digitale Bildarchive und Blogs als kollektive Kuriositätenkabinette des 21. Jahrhunderts?Abschlussarbeit für  Modul 6 / Teilmodul 1: Kunstwissenschaf / Kunstgeschichte Christoph KalingKulturwissenschaen und ästhetische PraxisHF Musik, NF Kunst10. FachsemesterMellingerstr. 3131141 Hildesheimkaling@uni-hildesheim.deMatrikel-Nr.: 202220 1  Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung.......................................................................................................................................32. Das Internet als multimediale Wunderkammer.......................................................................52.1 Die Welt in der Stube - Die Wunderkammern des 17. und 18. Jahrhunderts.............52.1 Hypertextbasiertes Riesenarchiv.........................................................................................62.2 Web 2.0 / Produsage .............................................................................................................72.3 Blogs als chronologische Privatsammlung.........................................................................82.4 Bilder im Internet – der Digital Iconic urn? .................................................................103. Kollektiv und individuell verwaltete Online-Bildarchive.....................................................113.1 Bildfokussierte Online-Communities: Flickr, Photocase, DeviantArt & Co.............123.1.1 deviantAR ..................................................................................................................123.2 Bild- und KunstBlogs..........................................................................................................143.2.1 Mental Image...............................................................................................................153.2.2 Mon Cabinet de Curiosités........................................................................................163.3 Meta-Seiten: Sammlungen viraler Bilder / Videos .........................................................164. Fazit / Ausblick............................................................................................................................175. Quellenverzeichnis......................................................................................................................19 Aus Gründen der Lesbarkeit werden geschlechtsspezifische Personenbezeichnungen in dieser Arbeit immer in maskuliner Form verwendet, gemeint sind jedoch immer beide Geschlechter. 2  1. Einleitung Das Internet avanciert mehr und mehr zum digitalen Informations- und Kommuni-kationsmedium Nr. 1., wobei hier auf immense Unterschiede im Zugang, der Nutzung, und damit auf den Diskurs der digitalen Klu (digital divide) als Wissensklu hingewiesen werden muss (nur ca. 34,3% der Weltbevölkerung hat überhaupt Zugang zum Internet 1 ). Mit der Entwicklung zum mobilen Breitband-Zugang rund um die Uhr ist es für die junge, technik-affine Generation moderner Industrienationen zum dauerhaen Fenster in die Welt  geworden, das unsere Alltagssphäre um eine grenzenlose Vielfalt an Inhalten erweitert und über das ein Großteil der Kommunikation abläu. Es hat mit einer nie zuvor denkbaren Geschwindigkeit Wissen, Ideen, Meinungen, Klänge und Bilder in unermesslich großer Masse öffentlich zugänglich gemacht.Der bildwissenschaliche Diskurs des iconic turn,  der vor allem die kulturellen Bedeutungsverschiebungen vom ext zum Bild im Laufe des letzten Jahrhunderts untersucht, widmete sich innerhalb der letzten Jahrzehnte zunehmend auch der digitalen Bildwelt und der Frage nach Veränderungen in der Wahrnehmung und im Umgang mit digitalen Bildern bzw. Abbildern. Relativ jung in der Bildwissenscha sind sowohl  vergleichende Studien mit dem Internet als gewaltiges, öffentlich zugängliches (Bild-)Archiv und Fragen zu dessen Strukturen und Funktionsweisen als auch Fragen zum popkulturellen Umgang mit massenha rezipierten Bildern. Inwieweit ist das Internet nicht nur als Bibliothek, sondern als Kuriositätenkabinett zu verstehen, bzw. als riesiges, die Welt in ihrer Gesamtheit repräsentierendes, multimediales Archiv, das von Millionen Nutzern verwaltet und ständig erweitert wird? Was macht der massive Bildkonsum mit der individuellen sowie kollektiven Aufmerksamkeit, die einzelnen Bildern zukommt bzw. zukommen kann? Warum werden welche Bilder viral 2 ? Welchen Stellenwert hat Humor- und Unterhaltungskultur auf den kreativen Umgang mit frei verfügbarem und editierbarem Bildmaterial und auf die Bedeutungskra von einzelnen Bildern oder Bildkulturen auf das Individuum? Welche Folgen hat eine derartig wachsende „Überflutung“ von Wissen und Bildern auf die Gesellscha? 1Daten von 2012; Quelle: http://www.internetworldstats.com/stats.htm2Der aus der Medizin stammende Begri !viral" verweist au die viren#hnliche $er%reitung von &nhalten und wird hier im 'onte(t von Bildern und $ideos verwendet) die via soziale *etzwer+stru+turen ver%reitet werden. ,  Angesichts dieser Fülle an möglichen Fragestellungen bezüglich dieses Temenkomplexes wird sich die folgende Arbeit darauf beschränken, nach einem Vergleich von Kuriositätenkabinetten mit dem Internet (oder Bestandteile desselben) einen Überblick über populäre partizipative Bildkulturen im Web anhand von exemplarisch vorgestellten Blogs und deren Mechanismen sowie der Plattform deviantAR zu geben. Eines nämlich hat die moderne Kommunikationstechnologie in den letzten Jahren immer normaler werden lassen: Nie war der Zugang zu Produktions- und Publikationsmitteln und -wissen so vielen Menschen verfügbar. JedeR kann plötzlich selbst generierte oder modifizierte Inhalte hochladen, veröffentlichen und sie somit potentiell allen Internetnutzern zugänglich machen. Neben dem Internet und dem sog. Web 2.0 als kommunikations-technologische Bedingung, die diese Revolution 3  im Umgang mit Inhalten überhaupt erst möglich machte, tragen drei maßgebliche Faktoren dazu bei, dass eine derart reichhaltige Informations- und Bildlandscha entstehen konnte. Zum einen gilt die Neugier und der Wissensdurst nicht ohne Grund als eine Art Urtrieb des Menschen, als „Leidenscha der Seele“ (Descartes), was natürlicherweise dazu führt, dass Wissen (und somit auch Bilder, Klänge etc.) gesammelt, archiviert, vervielfältigt, verbreitet und schließlich produziert sowie konsumiert wird. Zum anderen Besteht ein Großteil der Prosumer-Kultur 4  darin, dass immer mehr Menschen (u.a. aus sozialpsychologischen und / oder ökonomischen Gründen) sich Selbst (bzw. eine neue, imaginierte Identität) oder ihre Interessen medial inszenieren. Damit einher geht der gesellschaliche Wandel – insbesondere innerhalb industriell hochentwickelten Ländern – vom klassischen Produktionsgewerbe hin zu kreativen Berufen und einer steigenden Zahl von Künstlern, Autoren, Musikern, Programmierern etc. Dies verbunden mit der Möglichkeit, nicht nur Wissen und Meinungen sondern jegliche Form medialer Inhalte „mit einem Mausklick“ einem möglichst breitem Publikum zugänglich zu machen, führt schließlich zu Fragestellungen, wie all diese Inhalte verwaltet und geordnet werden sollen bzw. wie welcher Nutzer an welche Inhalte gerät. Nicht ohne Grund wird hierin eines der Kernprobleme heutiger Informations-, Kommunikations- und Medienforschung gesehen. , Der Begri Digitale -evolution %ezeichnet den durch die Digitalisierung und omputer ausgelsten m%ruch) der seit usgang des 20. ahrhunderts einen 3andel sowohl der 4echni+ als auch 5ast6 aller 7e%ens%ereiche %ewir+te. 5Quelle: 3i+ipedia68Der Begri !9rosumer" im medienwissenschatlichen 'onte(t geht zurc+ au (el Bruns und %eschrei%t die zunehmende leichzeitig+eit %zw. &ntererenz von 9roduzent und 'onsument im intera+tiven 3e% 2.0 8  2. Das Internet als multimediale Wunderkammer 2.1 Die Welt in der Stube - Die Wunderkammern des 17. und 18. Jahrhunderts Innerhalb der Geschichte von Sammlungen mit dem Anspruch, die Dinge der Welt (und damit die Welt als solche) in ihrer Vielfalt (v.a. mit ihren Besonderheiten und Kuriositäten) zu sammeln und darzustellen, nehmen die frühneuzeitlichen Kunst- und Wunderkammern oder Kuriositätenkabinette eine zentrale Stellung ein. Die Sammlungsräume (o von fürstlichen oder reichen Gelehrten), in denen kostbare Kunstwerke (Artificialia), seltene Naturalien (Naturalia), wissenschaliche Instrumente (Scientifica), Objekte aus fremden Kulturkreisen (Exotica) und unerklärliche Dinge (Mirabilia) zu bestaunen waren, orientierten sich meist nach dem Quichenberg'schen 5  System, eine Weltanschauung zu vermitteln, in der Geschichte, Kunst, Natur und Wissenscha zu einer Einheit verschmolzen. Damit verbunden war der Leitgedanke „macrocosmos in microcosmos“, der sowohl den Menschen als Abbild Gottes bzw. der Schöpfung als auch die „Sammlung als Metapher des Universums“ 6  betrachtet („[a]lles hängt mit allem zusammen.“ 7 ; „ 4he %elie in correspondences %etween the universe and internal s<stems was in the earl< modern air" = 6  Die (räumliche) Nähe unterschiedlichster Gegenstände zueinander zwang den Betrachter dazu, durch Assoziationen Querverweise und Verbindungen herzustellen. Stephan Brakensiek sieht in „[der] Assoziation als Grundlage unseres Denkens […] das Organisationsideal der frühneuzeitlichen Kunst- und Naturalienkammer schlechthin […]“. 9  Ein zentrales Element war außerdem die Orientierung am Motiv des Staunens über das Besondere, das Fremde, das Kuriose (und die davon ausgehende Inspiration), weniger die konkrete Wissensvermittlung. Ben Kaden schreibt hierzu:  „Die Zusammenstellung und die räumliche Präsentation sind ohne Zweiel au Inszenierung ausgerichtet und bedienen damit [...] die vorwissenschafliche Begegnung mit den Objekten. Zugleich jedoch unktioniert sie in diesem Kontext erklärtermaßen als Ausdruck und Vermittlung eines bestimmten grundsätzlichen Prinzips des Geistes – nämlich das, das sich hinter dem Wort Inspiration verbirgt.“ 10 >$gl. Bra+ensie+ 200?) @. 10?$gl. Macregor 1AA8) @. ?8BeCler 2012) @. 10,=Breen 2012 5http://theappendi(.net/%log/2012/11/ca%inetsocuriosit<:thewe%aswunder+ammer  6 ABra+ensie+ 200?) @. 1,10'aden 2012) @. 2A >
Search Related
We Need Your Support
Thank you for visiting our website and your interest in our free products and services. We are nonprofit website to share and download documents. To the running of this website, we need your help to support us.

Thanks to everyone for your continued support.

No, Thanks